Universität Bonn

DFG FOR 2733. Sakralraumtransformation

02. Juni 2022

7. Rheinischer Tag für Denkmalpflege in Merzenich- Morschenich „Zurück in die Zukunft. Denkmalpflege und Strukturwandel im Rheinischen Revier“ „Zurück in die Zukunft. Denkmalpflege und Strukturwandel im Rheinischen Revier“

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Zurück in die Zukfunft.001.jpeg © Jakob Scheffel
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Besonders an dieser Tagung war bereits der Tagungsort: Die profanierte Nachkriegskirche St. Lambertus im für den Braunkohle-Abbau entsiedelten Ort Morschenich (NRW). Der ursprüngliche Braunkohleabbauplan sah vor, das unmittelbar am Hambacher Forst gelegene Dorf abzubaggern, weshalb die Bewohner seit 2015 umgesiedelt wurden. In Reaktion auf die großen  Klimaschutzproteste zur Rettung des Hambacher Forsts 2018 fiel die politische Entscheidung, auf die Abbaggerung des Forstes sowie des Dorfes zu verzichten. Da im Dorf aufgrund der Umsiedlung jedoch nur noch sehr wenige Menschen leben, wird von der Gemeinde Merzenich aktiv nach Lösungen und Wegen in die
Zukunft gesucht.

2021 führte das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland (LVR-ADR) eine umfangreiche denkmalpflegerische Analyse des Baubestandes von Morschenich durch, deren Ergebnisse nun vorliegen und auf der Tagung von den für die Analyse federführenden Denkmalpflegern Fabian Kröning und Philipp Huntscha präsentiert wurden. Diese Analyse soll nach einem kürzlich erfolgten Ratsbeschluss der Gemeinde Merzenich als architektonische Grundlage für die Wiederbelebung des Ortes dienen. Parallel dazu wird vom LVR-ADR ein Erfassungsprojekt zur Industriekultur im rheinischen Braunkohlenrevier durchgeführt, welches von Dr. Ralf Liptau vorgestellt wurde. Simultane von der Bundesregierung geförderte Projekte laufen in enger Abstimmung miteinander nicht nur in NRW, sondern auch in den anderen vom Kohleausstieg betroffenen Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg.

Neben Vertretern der Denkmalpflege waren mit Georg Gelhausen, Bürgermeister Gemeinde Merzenich, und Maik Kunze, Bürgermeister der Stadt Groitzsch (Sachsen), Stimmen der Kommunalpolitik vertreten. Zu Groitzsch gehört das, sich in einer vergleichbaren Situation wie Morschenich befindende, Dorf Pödelwitz.

Nach den Beiträgen, die den denkmalpflegerischen und kommunalpolitischen Ist-Zustand skizzierten, folgten Beiträge, die „Wege in die Zukunft“ aufwiesen. Alrun Berger (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte) stellte das Projekt „geSCHICHTEN Rheinisches Revier“ vor, in welchem historische Vermittlungskonzepte für die Region im Umbruch erarbeitet werden. Prof. Dr. Barbara Welzel (Lehrstuhl für Kunstgeschichte, Technische Universität Dortmund)stellte das Projekt „Kirchturmdenken“ vor. Das Förderprogramm des Bundes unterstützt Projekte im ländlichen Raum bei der Durchführung von kulturellen Weiternutzungen der Kirchengebäude. Frau Welzel verdeutlichte eindringlich die herausragende Wichtigkeit, die Kirchengebäude für die europäische Kulturgeschichte haben und verwies auf das Potenzial für die gesamte Gesellschaft, das hier schlummert. Prof. Dipl.-Ing. Isabel Maria Finkenberger (Lehrstuhl Stadtplanung, Transformation und Prozessgestaltung, Fachhochschule Aachen) stellte in ihrem Beitrag studentische Seminararbeiten zur architektonischen Weitergestaltung und Nutzung von Morschenich vor und verdeutlichte, wie wichtig ein Umdenken und die Suche nach kreativen Lösungen in Zeiten von Rohstoffverknappung und Klimakrise sind.  

Den Abschluss der Tagung bildete eine lebhafte Podiumsdiskussion, bei der neben Georg Gelhausen (Bürgermeister Gemeinde Merzenich), auch Dr. Andrea Pufke (Landeskonservatorin Rheinland, LVR-ADR) teilnahm und bei der mit Dr. Alexandra Renz (Ltd. Ministerialrätin, Wirtschaftsministerium NRW) nicht nur die Sichtweise des Wirtschaftsministeriums NRW, sondern mit Erik Schöddert (Leiter Fachbereich Umsiedlung und Flächen, RWE Power AG) auch die Perspektive des Tagebauunternehmens und des Eigentümers der Grundstücke in Morschenich
vertreten waren.

Immer wieder schien in den Beiträgen das Potenzial auf, dass in der Nutzung der ehem. Morschenicher Kirche liegt und das es zu nutzen gilt. Die Kirche soll als Kristallisationspunkt und zentraler gemeinschaftlicher Kultur-Ort im zukünftigen Morschenich dienen. Die hier abgehaltene Tagung verdeutlichte in eindrücklicher Weise, die Möglichkeiten und Potenziale, die in der Weiternutzung ehemaliger Sakralräume liegen.

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