Die von Prof. Gerhards inhaltlich konzipierte Tagung lenkte den Blick auf das Bistum, das 2005 als wegen der Bekanntgabe zur Schließung von 96 Kirchengebäuden in die Schlagzeilen kam. Wie sind die Prozesse seitdem verlaufen, und wo steht das Bistum heute? Diesen Fragen stellten sich zwei Hauptverantwortliche, der Kunsthistoriker und Theologe Dr. Herbert Fendrich, bis 2019 Bistumsbeauftrager für Kirche und Kunst im Bistum Essen und verantworlich für die Transformationsprozesse sowie Generalvikar Klaus Pfeffer. Unter dem Titel „Die Aufgabe als Aufgabe“ legte Fendrich anschaulich die Herausforderungen dar, bei denen sich die Beteiligten auf keine Erfahrungswerte stützen konnten.
Generalvikar Pfeffer ordnete das Thema in den Prozess der Neustrukturierung des Bistums ein, der die Verantwortlichkeit in die Großgemeinden verlegt, aber seitens des Bistums ein Kompetenzzentrum für Beratung und Begleitung vorsieht. Wenngleich auch im Bistum Essen der Abriss die ultima ratio ist, sind bereits 45 Kirchen der Spitzhacke zum Opfer gefallen, da man für sie keine andere Weiternutzungsoption gefunden hatte. Die außerordentlich hohe Dichte an Kirchenbauten im Ruhrbistum ist der Tatsache geschuldet, dass entgegen der damals schon eindeutigen Abwärtsttendenz immer mehr Kirchen errichtet wurden. Am Ende werden nur noch 92 davon übrig bleiben, ¼ des ursprünglichen Bestands.
Dennnoch imponiert die Vielfalt der Nutzungsvarianten im Bistum Essen. Sie betrifft das ganze Spektrum zwischen Nutzungserweiterung, Nutzungsteilung, Teilumnutzung, Umnutzung, Teilabriss und Abriss mit Neudefinition des Ortes. Hier gibt es hoffnngsvolle Initiativen an der Basis, die auch zu wirtschaftlich tragfähigen Lösungen führen können. Skeptisch äußerte sich Fendrich in Bezug auf Kirchenkolumbarien, von denen das Bistum Essen lediglich zwei aufweist.
Am Ende besuchten die Teilnehmenden der Tagung die profanierte Kirche Liebfrauen im Zentrum von Duisburg, die jetzt als Kulturkirche dient und eines der Projektbeispiele auf der Manifesta bildet. Sie sollte abgestoßen werden, aufgrund von Stiftungen wurde sie umgenutzt als riesiger Veranstaltungsraum mit einer geräumigen Unterkirche im Erdgeschoss und wird durch die Stiftung „Brennender Dornbusch“ getragen, deren Kuratoriumsvorsitzender P.Dr. Philipp Reichling OPraem durch die Kirche führte. Da eine Gebäudeisolierung aus Gründen des Denkmalschutzes aber nicht möglich ist, kann sie nur in den Sommermonaten genutzt werden, so dass sie sich wirtschaftlich nicht rechnet. Immerhin ist es dem Verein gelungen, das städtebaulich markante Gebäude bis jetzt zu erhalten, seine Zukunft aber ist ungewiss.